Dallas und Fort Worth: Mehr als Wolkenkratzer und Cowboy-Image

30.09.2018

Wenn man „The Big D“ und die „Stadt der Cowboys und Kultur“ einmal näher betrachtet, gibt es jede Menge architektonische Highlights zu entdecken – denn eine gewisse Rivalität hat sich in den letzten Jahrzehnten positiv auf den Städtebau ausgewirkt und lässt Dallas und Fort Worth heute in neuem Licht erstrahlen.

Dallas Skyline © Visit Dallas


So beauftragte Fort Worth – nachdem Dallas eine Philharmonie von Ieoh Ming Pei hatte errichten lassen – den Japaner Tadao Ando mit dem Bau eines Museums für moderne Kunst. Und während Dallas mit einem neuen Theater und einer neuen Oper aufwarten konnte, entstand in der Nachbarstadt ein Naturkundemuseum nach den Plänen des Mexikaners Ricardo Legorreta. Initiiert worden war dieser Wettkampf im Herbst 1966, als Louis Kahn den Auftrag für das Kimbell Art Museum in Fort Worth erhielt – ein noch immer unerreichtes Meisterwerk.

 

Schauen wir uns beide Städte einmal genauer an: Dallas wird mit seinen Wolkenkratzern gern als Hauptstadt der Öl-Barone porträtiert. Ganz im Gegensatz zu diesem Klischee hat der ölbedingte Reichtum aus Dallas in den letzten Jahren zunehmend eine Kulturstadt gemacht. Nicht erst mit dem Meyerson Symphony Center von 1989, entworfen von I. M. Pei, oder dem Nasher Sculpture Center von Renzo Piano hat sich Dallas Kulturbauten von Rang erkauft. 

 

Mit dem Wyly-Theater und der neuen Oper wird die neue Architektur auch auf den Bereich der darstellenden und musikalischen Künste ausgedehnt. Sie liegen entlang der Flora Street einander gegenüber und bilden ein räumlich spannendes Tor. Architektonisch könnten sie kaum unterschiedlicher sein: Während das Wyly-Theater von Rem Kohlhaas - ein schlanker, hoher Turm - betont cool und experimentell daherkommt, stellt Norman Fosters Winspear Opera House die traditionelle Form einer Oper in einer modernen Verpackung dar.

 

Historisch betrachtet wurde in Dallas mit dem 15-stöckigen Praetorian Building von 1905-09 das erste Hochhaus im Westen der USA errichtet. Zwischen 1910 und 1930 erlebte Dallas eine erste Blütezeit und einen Bauboom. Viele historische Gebäude in der Innenstadt, die heute unter Denkmalschutz stehen, entstanden in dieser Zeit. Der Architekt George Dahl prägte das Stadtbild von Dallas wie kein zweiter – zwischen 1927 und 1971 entwarf er zahlreiche bedeutende Gebäude, wobei er sich stilistisch von historischer Neorenaissance über Art déco bis zu internationaler Moderne entwickelte. Hier zwei Beispiele: Das im Neorenaissance-Stil gehaltene Majestic Theatre mit 2.800 Plätzen wurde 1921 eröffnet. Hier traten u.a. Houdini, Mae West und Bob Hope auf, John Wayne, James Stewart und Gregory Peck besuchten Filmpremieren, die Big Bands von Duke Ellington und Cab Calloway musizierten hier. Es war das prachtvollste Theater in Dallas’ Theatre Row entlang der Elm Street. Die übrigen wurden in den 1970er-Jahren abgerissen, um Wolkenkratzern Platz zu machen - nur das Majestic steht unter Denkmalschutz und blieb erhalten. Das eindrucksvolle, 22-stöckige Adolphus Hotel, 1912 im Beaux-Arts-Stil errichtet, war lange Zeit das renommierteste Hotel der Stadt. Heute steht es ebenfalls unter Denkmalschutz, ist aber weiterhin ein nobles Vier-Sterne-Hotel mit 422 Zimmern.

 

Ein erstklassiges Beispiel für die klare, elegante und symmetrische Bauweise der Art Déco Architektur kann man nur wenige Kilometer von Dallas entfernt in Fort Worth bewundern: das 16-stöckige Sinclair Building, das im Jahr 1930 von Wiley G. Clarkson entworfen und von Harry B. Friedman erbaut wurde. Das Gebäude gilt nicht nur von außen, sondern auch von innen als Highlight des Art Deco Stils, ganz besonders die malerische Lobby, in der darüber hinaus interessante Artefakte und Bilder zur Geschichte des Hauses sowie der 1990 durchgeführten Restaurierung des Gebäudes zu sehen sind. Das Sinclair Building befindet sich derzeit in einer Umbauphase, für 2019 ist die Eröffnung als Mitglied der hochwertigen Marriott Autograph Collection Hotels geplant.  

 

Westlich der Innenstadt von Fort Worth befindet sich eines der größten Künstlerviertel der USA. Im Fort Worth Cultural District gibt es gleich fünf Weltklasse-Museen mit renommierter Architektur, bedeutenden Sammlungen und erstklassigen Ausstellungen zu entdecken: das Kimbell Art Museum, das Modern Art Museum of Fort Worth, das Amon Carter Museum of American Art, das Fort Worth Museum of Science and History und das National Cowgirl Museum and Hall of Fame. Eines der Highlights des Kimbell Art Museum („Amerikas bestes kleines Museum“) ist der Renzo Piano Pavilion. Die moderne Ikone wurde von Louis Kahn entworfen und befindet sich, nur durch einen Rasen getrennt, gegenüber des Museums; „nah genug für ein Gespräch, nicht zu nah und nicht zu weit weg“ wie Architekt Renzo Piano bemerkte. Hier werden Meisterwerke aus Kimbell’s bestehender Sammlung ausgestellt, unter der sich auch das erste Gemälde von Michelangelo befindet. Ein kleiner Tipp: Das Kimbell Art Museum ist kostenfrei! Das Modern Art Museum ist Texas’ ältestes Museum (gegründet 1892) und befindet sich in einem Gebäude, das von dem japanischen Architekten Tadao Ando entworfen wurde und Meisterwerke von Jackson Pollock, Robert Motherwell, Andy Warhol und Mark Rothko zeigt.

 Bass Performance Hall © Fort Worth CVB

 

Am Sundance Square befindet sich die Nancy Lee and Perry R. Bass Performance Hall, die im Mai 1998 eröffnet wurde. Diese von David M. Schwarz entworfene, „letzte große Aufführungshalle, die im 20. Jahrhundert erbaut wurde“ ist der Hauptsitz des städtischen Symphonie-Orchesters, Opern- und Ballettgruppen sowie dem renommierten Van Cliburn International Klavierwettbewerb und Produktionen des Casa Mañana Theater. Die Fort Worth Water Gardens am Convention Center wurden von Phillip Johnson gestaltet. Diese Wasseroase überzeugt nicht nur architektonisch, sondern auch auf erfrischende Weise, denn an einem heißen Sommertag gibt es doch nichts Schöneres, als die nackten Füße ins kühle Nass zu halten! Übrigens dienten die leicht futuristisch anmutenden Fort Worth Water Gardens auch als Kulisse des Science-Fiction-Klassikers „Flucht ins 23. Jahrhundert“ mit Michael York und Peter Ustinov. 

 

Egal, ob Dallas oder Fort Worth – architektonische Highlights gibt es hier garantiert überall zu entdecken. 

 

Und wer Lust hat, die Architektur in Dallas einmal unter die Lupe zu nehmen, für den ist die Dallas Architecture Tour genau das Richtige. Diese und weitere Touren gibt es unter www.visitdallas.com.

 

 

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